Bundestagswahlen 1949 und 1953

Bekanntmachung des Statistischen Amt und Wahlamts zur Bundestagswahl 1949

Bundestagswahl 1949: Frankfurter Kandidaten stellen sich vor.

Kundgebung der SPD auf dem Römerberg

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland fanden im August 1949 die ersten Parlamentswahlen statt, bei der Konrad Adenauer mit der CDU für die soziale Marktwirtschaft und die SPD mit Kurt Schumacher für eine sozialistische Planung und Kontrolle warben. Die CDU gewann mit kleinem Vorsprung. Aus den zweiten Wahlen (1953) ging die CDU als eindeutige Siegerin hervor, gefolgt von SPD und FDP, während die KPD und andere Parteien diesmal an der Fünfprozenthürde scheiterten: für lange Zeit war nun das Dreiparteiensystem im Bundestag etabliert.

 

Die Bundestagswahlen 1949 und 1953 waren die ersten freien, geheimen, gleichen und allgemeinen Wahlen der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland und legten für die Formierung des Parteiensystems wichtige Grundlagen. Die Bundestagswahl vom 14. August 1949 fand nach den Grundsätzen des neuen, noch vom Parlamentarischen Rat verabschiedeten und nur für diese ersten bundesdeutschen Nachkriegswahlen konzipierten Wahlgesetzes statt. Es enthielt als wichtigste Verfahrensregel eine Sperrklausel von fünf Prozent, um nach den Erfahrungen aus der Weimarer Republik eine Zersplitterung des Parteiensystems und damit verbundene Instabilität zu verhindern.

 

Gewählt werden sollte nach einem Schlüssel von 60:40, das heißt 60 Prozent Direktmandate und 40 Prozent Mandate aus Listenverbindungen der Parteien. Mit diesen Wahlen begann die Ära des langjährigen Kanzlers Konrad Adenauer (1949-1963).

 

In Frankfurt wie in der restlichen Bundesrepublik Deutschland zeichnete sich der Wahlkampf durch eine starke Polarisierung von CDU und SPD aus. Zwischen dem Vorsitzenden der Bundes-SPD, Kurt Schumacher, und Konrad Adenauer entwickelte sich eine ideologische wie persönliche Gegnerschaft. Im Wahlkampf sprach sich die CDU in Anlehnung an die Düsseldorfer Leitsätze für einen freien Leistungswettbewerb auf der Grundlage einer marktwirtschaftlichen Ordnung, marktgerechten Preisen und sozialer Sicherheit aus. Gleichzeitig betonten die kulturpolitischen Aussagen eine Absage an den Liberalismus. Obwohl es keinen offiziellen Kanzlerkandidaten gab (diese Praxis wurde erst mit der Bundestagswahl 1961 eingeführt), galt Konrad Adenauer als Favorit. Weiterer populärer Wahlkämpfer war der zukünftige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (1897-1977).

 

Die SPD setzte unter Schumacher auf eine Negativ-Kampagne und griff Adenauer und die CDU frontal an. Inhaltlich stand sie für die Errichtung eines sozialistischen Staates unter demokratischen Bedingungen. Planung, Lenkung und Kontrolle der Volkswirtschaft durch Sozialisierung war ihr wichtig. Außenpolitisch setzte die Partei ganz auf eine möglichst schnelle Wiedervereinigung in den Grenzen von 1937. Besonders ihre stark antikirchliche Agitation kostete sie Stimmen der christlichen Wähler und trug neben anderen strategischen Fehlern zu ihrem schlechten Abschneiden bei der Wahl 1949 bei.

 

Die FDP trat mit einem Bekenntnis zur „freien Marktwirtschaft“ zu den Bundestagswahlen 1949 an und warb außenpolitisch ähnlich wie SPD und CDU für die Wiedervereinigung Deutschlands in den Grenzen von 1937. Anders als die CDU betonten die Liberalen stärker den bürgerlich-wirtschaftsorientierten Teil ihrer Programmatik, die christliche Ausrichtung zur Gewinnung bürgerlich-konservativer Wähler teilte sie hingegen nicht.

 

Weitgehend marginalisiert war bereits zu diesem Zeitpunkt die KPD, die ebenso wie andere Parteien auf Themen der sozialen Sicherheit und Gerechtigkeit sowie die Wiedervereinigung setzte, allerdings unter sowjetischen und kommunistischen Vorzeichen. Auch mit der Forderung nach einem Abzug aller Besatzungstruppen und einem Friedensvertrag zwischen Deutschland und den ehemaligen Kriegsgegnern USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien vermochte sie nicht viele Wähler anzusprechen.

 

Das Ergebnis der Bundestagswahl 1949 sicherte der Union im Bundesdurchschnitt mit 31 Prozent einen kleinen Vorsprung vor den Sozialdemokraten, die auf 29,2 Prozent der Stimmen kamen. Die Liberalen erreichten 11,9 Prozent und die KPD 5,7 Prozent. Ebenso in diesem ersten Bundestag vertreten waren Kleinparteien wie die Bayernpartei (BP), die auf 4,2 Proezent kam und die Deutsche Partei (DP) mit 4,0 Prozent. Ihr Einzug war nur aufgrund von Listenverbindungen mit anderen Parteien möglich geworden. Die Wahlbeteiligung betrug 78,5 Prozent. Die Frankfurter Ergebnisse wichen vom Bundesdurchschnitt erheblich ab. Die SPD erreichte hier 39,5 Prozent der Stimmen und lag deutlich vor der CDU (22,1 Prozent). Die FDP kam auf 24,2 Prozent und schnitt ebenfalls überdurchschnittlich ab. Andere Parteien zusammen erhielten 14,2 Prozent (DP, KPD und andere Kleinparteien), die Wahlbeteiligung lag bei 65,1 Prozent. Alle drei Frankfurter Bundestagswahlkreise wurden von der SPD gewonnen (Frankfurt I: Hermann Brill; Frankfurt II: Willi Birkelbach; Frankfurt III: Georg Stierle).

 

Im Wahlkampf von 1953 dominierten die bereits vier Jahre zuvor diskutierten innen- und außenpolitischen Themen. Obwohl die SPD auf ihre konstruktive Beteiligung an zentralen Weichenstellungen wie zum Beispiel der Kriegsopferversorgung, der Rentenreform und der Montan-Mitbestimmung hinwies, wurde sie von vielen Wählern weiterhin vor allem an ihren Positionen zur Außen- und Deutschlandpolitik (zum Beispiel Neutralität) gemessen, die bereits 1949 umstritten waren. Die CDU hingegen konnte die ersten positiven Ergebnisse des später als „Wirtschaftswunder“ titulierten Aufschwungs in das Zentrum ihres Wahlkampfes stellen und verfügte zudem mit Ludwig Erhard über einen äußerst beliebten Politiker. Als Spitzenkandidat der CDU ging wiederum Adenauer ins Rennen, für die Sozialdemokraten tat dies nach dem Tode Schumachers 1952 Erich Ollenhauer (1901-1963). Ollenhauer war zugleich Vorsitzender der SPD bis 1963. Die Sozialdemokraten erzielten 28,8 Prozent der Stimmen. CDU/CSU konnten sich auf 45,2 Prozent erheblich steigern. FDP und KPD mussten Stimmenverluste hinnehmen: Die Liberalen kamen auf 9,5 Prozent (-0,6 Prozent) und die KPD konnte 2,2 Prozent der Stimmen gewinnen und war damit an der Fünfprozenthürde gescheitert. Wesentliches Charakteristikum dieser zweiten Bundestagswahl war der einsetzende Konzentrationsprozess: Zahlreiche, noch 1949 ins Parlament eingezogene Kleinparteien schafften jetzt den Sprung über die Sperrklausel nicht mehr. Davon betroffen waren unter anderem die Deutsche Reichspartei (DRP), die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (WAV) sowie die Bayernpartei (BP). Die Wahlbeteiligung betrug mit 85,8 Prozent rund 7 Prozent mehr als 1949.
In Frankfurt am Main votierten die Wähler folgendermaßen: Auf die SPD entfielen 35,5 Prozent und damit 4,2 Prozent weniger als 1949. Die Christdemokraten kamen auf 38,2 Prozent und überflügelten erstmals bei Bundestagswahlen in Frankfurt die SPD. Zusätzlich gingen alle drei Frankfurter Wahlkreise an die Bewerber der CDU (Frankfurt I: Peter Horn 37,7 Prozent; Frankfurt II: Walter Leiske 39,3 Prozent; Frankfurt III: Franz Böhm 37,0 Prozent). Die FDP büßte rund 10 Prozent ihrer Stimmen ein, sie erreichte mit 14,7 Prozent allerdings immer noch mehr als den Bundesdurchschnitt. Die KPD wählten in Frankfurt lediglich 2,6 Prozent, was im Vergleich zu 1949 ein Minus von nahezu 6 Prozent bedeutete. Die nationalkonservative DP kam auf 4,6 Prozent.

 

 

 

Literatur und Quellen::

Nils Diederich u.a. (Bearb.), Wahlstatistik in Deutschland. Bibliographie der deutschen Wahlstatistik 1848-1975, (Berichte und Materialien des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung ZI 6 der Freien Universität Berlin) , München 1976.

Claus A. Fischer (Hg.), Wahlhandbuch für die Bundesrepublik Deutschland. Daten zu Bundestags-, Landtags- und Europawahlen in der Bundesrepublik, in den Ländern und in den Kreisen 1946-1989. 1. Halbband. (Bundesrepublik Deutschland, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin/West, Land Bremen, Hamburg, Hessen), Paderborn 1989.

Frolinde Balser, Geschichte der Stadt Frankfurt am Main 1945-1989, Sigmaringen 1995.

Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Bestand: Magistratsakten 5.728

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland fanden im August 1949 die ersten Parlamentswahlen statt, bei der Konrad Adenauer mit der CDU für die soziale Marktwirtschaft und die SPD mit Kurt Schumacher für eine sozialistische Planung und Kontrolle warben. Die CDU gewann mit kleinem Vorsprung. Aus den zweiten Wahlen (1953) ging die CDU als eindeutige Siegerin hervor, gefolgt von SPD und FDP, während die KPD und andere Parteien diesmal an der Fünfprozenthürde scheiterten: für lange Zeit war nun das Dreiparteiensystem im Bundestag etabliert.



Autor/in: Markus Wedel
erstellt am 01.01.2009
 

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