Die Ernennung Frankfurts zur „Stadt des deutschen Handwerks“ 1935 soll deutlich machen, dass die bisher von den Nationalsozialisten so genannte „Stadt der Juden und Demokraten“ nun eine „deutsche“, nationalsozialistische Stadt ist.
Städte, denen nationalsozialistische Anerkennung zukam, waren München als „Hauptstadt der Bewegung“ und Nürnberg als „Stadt der Reichsparteitage“. Das bestehende Bild Frankfurts hingegen war den neuen Machthabern unvereinbar mit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Frankfurt galt als Stadt der Demokratie (Sitz der Nationalversammlung), Emanzipation (der Juden) und des Liberalismus. Der neue Oberbürgermeister Friedrich Krebs machte es sich zur dringlichen Aufgabe, dieses Bild radikal zu ändern und die Stadt „weltanschaulich“ zu „erneuern“. Krebs plante, Frankfurt von der „Stadt der Juden und Demokraten“ bzw. der „Stadt der Frankfurter Zeitung und Mayer Amschel Rotschschilds“ zur „deutschen Stadt“ umzuwandeln.
Das neue Stadtbild soll in völligem Gegensatz zu dem der Vergangenheit stehen. Den Reichshandwerkertag 1935, den Frankfurt austrägt, nimmt der Oberbürgermeister schließlich zum Anlass, die Gauhauptstadt zur „Stadt des deutschen Handwerks“ ernennen zu lassen. Pünktlich zur Eröffnung des Reichshandwerkertages erreicht Frankfurt die Zusage Adolf Hitlers per Telegramm. Mit dem Titel „Stadt des deutschen Handwerks“ plant Krebs die dauerhafte Bindung des jährlichen Zusammentreffens der Handwerker an die Stadt. Er verspricht sich davon aber vor allem die Anerkennung Frankfurts als nationalsozialistische Stadt. Die neue Selbstdarstellung Frankfurts knüpft an der starken propagandistischen Aufwertung des Handwerks an. Entgegen den historischen Tatsachen suggeriert sie bewusst, in der Geschichte der Stadt habe das Handwerk eine besondere Rolle gespielt. Um diese These wissenschaftlich zu unterstützen, hat Krebs zuvor eine Denkschrift in Auftrag gegeben. Die Anerkennung des Handwerks in Frankfurt wird nun nachgeholt, indem der Oberbürgermeister symbolträchtige Bauwerke, wie den „Brunnen des deutschen Handwerks“ oder das „Haus des deutschen Handwerks“, plant.
Literatur::
Heike Drummer, Stadt des deutschen Handwerks, in: Ausst.Kat. FFM 1200. Traditionen und Perspektiven einer Stadt, Lothar Gall (Hg.), Sigmaringen 1994, S. 315-340
Dieter Rebentisch, Frankfurt am Main und das Reich in der NS-Zeit, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 57, Frankfurt am Main 1980 S. 243ff
Die Ernennung Frankfurts zur „Stadt des deutschen Handwerks“ 1935 soll deutlich machen, dass die bisher von den Nationalsozialisten so genannte „Stadt der Juden und Demokraten“ nun eine „deutsche“, nationalsozialistische Stadt ist.